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Die Erde ist nicht nur unser gemeinsames Erbe,
sie ist auch die Quelle des Lebens.
(Dalai Lama)


Am Anfang aller Übung, die dem inneren Weg dient, steht die "rückläufige Bewegung". Das ist die Bewegung, die aus der Verstiegenheit des Ichs, das auf der Leiter seiner Vorstellungen und Begriffe nach oben strebt und sich oben festhält, zurückführt, hinab in die alles wieder einschmelzende Tiefe des Ursprungs.

Schon auf der Stufe des natürlichen Bewusstseins gibt es ein Wissen um die neumachende Kraft der ursprünglichen Natur. Der nur denkend sich besinnende Mensch sucht in dem Masse, als der gegenständliche Geist über ihn Macht gewann, die Transzendenz immer nur "oben". Der unreflektierte Mensch weiss aber seit altersher und auch heute noch um eine Transzendenz "unten".

Wo das gegenständliche Bewusstsein vorherrscht, sieht der Mensch alles in Gegensätzen. Er stellt die Natur als das "Stoffliche" dem unstofflichen "Geist" gegenüber und lokalisiert sie auch wertmässig "unten". (...) Der vorwiegend vom Rationalen bestimmte Mensch sieht in der Natur des Menschen vor allem das Unberechenbare ihrer Impulse. (...) Im ursprünglichen und unreflektierten Erleben aber zeigt sich etwas ganz anderes.


Karlfried Graf Dürckheim

Der hier vorliegende (gekürzte) Text "Das Erden" stammt 
aus seinem Buch "Hara - Die Erdmitte des Menschen" (1962)


Wer sich aus der Hetze des Alltags und der Verstrickung in Pflichten, die die rationalen Kräfte des Denkens und Wollens übermässig belasten, im Erlebnis des Waldes, des Wassers oder der Berge von seinen Spannungen löst und aufjauchzt in der Beglückung der in ihm befreiten Natur, für den ist das "Herrliche", das er erlebt, (...) ein Wert von eigenem Rang und von numinosem Charakter. Er erfährt die Befreiung einer seiner Natur innewohnenden transzendenten Kraft ursprünglichen Lebens. Vermag es der Mensch, sich der in solchem Erleben aufbrechenden Tiefe zu überlassen, dann erfährt er eine Weitung seines Lebensgefühles, die ihn weit über die Grenzen seines gewöhnlichen Lebensgefühles hinausträgt. (...) Und was immer die Grosse Natur im Menschen in ihrer Fülle entbindet, befreit auch, so weiss es im Grunde ein jeder, das in seinem Leiden gefangene Herz und erweckt auch den Geist zu einer eigenen Helle.

Das Wissen um die neumachenden Kräfte des ursprünglichen Lebens erwacht nicht nur in der Liebe zur freien Natur, die oft genug die letzte Zuflucht des in seiner Ichwelt gepeinigten Menschen ist. (...) Das Wissen um die Reise nach unten, in das dunkle Reich der Erde, als Voraussetzung für die Erlösung vom Wahn und für den Durchbruch des Lichtes, ist ein fester Bestandteil der "Grossen Tradition" initiatischer Wege. (...) Ihre Bedeutung für den Weg kann freilich erst dann sichtbar werden, wenn die heillose Trennung von Körper und Seele überwunden wird. (...) Eine planmässige Arbeit am Transparentwerden des Menschen betrifft den Menschen sogar vor allem in dem ihn mit der Erde verbindenden Leib. Und so steht am Anfang aller Übung der Versuch, den (...) Menschen im vollen Sinn des Wortes wieder zu erden.

Zum "erden" siehe auch den Text wer buddhas weg geht

Zur "Grossen Tradition initiatischer Wege" siehe auch den Text Geheimnis und Gerechtigkeit